Wenn das Leben hinter Gittern kein Ende zu nehmen scheint

Was mag der Hund in dem Zwinger schon alles hinter sich haben. Da sitzt er, schlechtes Fell mit kahlen Stellen, die Zähne sind nicht mehr die besten und die Haare um die Schnauze sind bereits grau geworden. Kein Hund zum Eindruck machen - keiner, der die Blicke auf sich zieht. Und so lassen Besucher nur kurz den Blick durch den Zwinger streichen und gehen vorbei, zu den vielen anderen Hunden. Am Anfang hatte er sich noch Hoffnung gemacht, er war schließlich noch jung. Im Alter von 6 Monaten kam er ins Tierheim, da hatte man ihm auf der Straße aufgesammelt. Und weil er jung war und so voller Energie steckte, war er ans Gitter gesprungen und hatte um Aufmerksamkeit gebettelt.

Mit den Monaten wurde die Aufregung weniger und er zog sich immer mehr zurück. Inzwischen steht nur noch selten auf, wartet geduldig, bis ihn jemand in den Freilauf lässt und döst den Rest des Tages vor sich hin. Die Liegeschwielen an den Ellenbogen und am Po werden größer, der Gang wird schleppender. Nur noch selten spielt er mit den anderen Hunden und oft schmerzen die Gelenke. Ob er auf das große Los hofft, doch noch irgendwann ein Zuhause zu finden, oder ob er gar keine Vorstellung davon hat, worauf er wartet, das lässt sich leider nicht mehr rekonstruieren. Wahrscheinlich nimmt er die Situation einfach als gegeben und unveränderbar hin. Über drei Jahre lang.

Jetzt liegt er neben mir, auf dem Sofa. Ich konnte nicht an ihm vorbeigehen und mich dem Blick dieser Augen entziehen. Er dankt es mir mit grenzenloser Zuneigung. Er heißt übrigens Luke.

Das ist die Geschichte von meinem Hund Luke, den ich vor ein paar Wochen aus einem Tierheim in Spanien bekam. Er war dort drei lange Jahre einer von 300 Hunden und wurde immer übersehen. Er sollte nur zur Pflege bleiben, aber es war schnell klar, dass er nicht mehr wegzudenken ist. 

Ich möchte mit seiner Geschichte eine Lanze brechen für all die Hunde, die nicht klein, gesund oder schön sind und aus diesem Grund lange auf ein Zuhause warten. Es ist Balsam für die Seele, wenn man erleben kann, wie sich die Hunde unter der eigenen Pflege und Liebe entwickeln und verändern. Oft haben sie Schlechtes erlebt und wissen deshalb alles zu schätzen: regelmäßiges Futter, eine weiche Decke, Schutz vor dem Wetter und jede Streicheleinheit. Viele blühen unter der Aufmerksamkeit auf, sie werden jünger, bekommen Glanz im Fell und in den Augen und versuchen, dem Besitzer alles recht zu machen.

Ich werde auf Gassi-Runden und beim Einkaufen jedes Mal auf Luke angesprochen. Ja, er ist groß und stattlich, aber vor allem benimmt er sich gelassen in jeder Situation. Er streitet sich nicht mit anderen Rüden, geht bei Fuß und hat mich immer im Blick. Lange Jahre wollte keiner ihn haben, nun steht er im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Ich wünsche jedem Hundebesitzer, dass er eines Tages die Chance bekommt, einem Langinsassen aus dem Tierheim oder einem alten Hund ein neues Zuhause zu geben und dabei einen ähnlichen Glücksgriff macht, wie ich es bei Luke gemacht habe.

Autorin: Barbara G.