Arbeitseinsatz in Gorzow und Umgebung

Zusammen mit einem kleinen Team vom Tiere suchen Freunde e.V. (dieser Verein kümmert sich schon über 10 Jahre um das Tierheim Gorzow in Polen und um verschiedene Zwingerhunde und Katzen in der Region), fuhr ich am Samstag den 11. Mai um acht Uhr morgens mit meiner lieben Kollegin Lisa Benecke Richtung Polen. Am Tag zuvor hatte ich schon gemeinsam mit Astrid Freudenthal und ihrem Team, Futter und Sachspenden in unseren Transporter eingeladen.  Myriam (Mitarbeiterin vom Tierheim Zossen), Jana (einer ehemaligen Mitarbeiterin vom Tierheim Zossen), Lisa und ich machten uns also gemeinsam auf den Weg.

Unser erste Stopp war bei zwei älteren Nachbarinnen, von denen eine bis vor Kurzem noch eigene Tiere besaß, die regelmäßig vom Verein Tiere suchen Freunde e.V. mit Futter versorgt wurden. Ihre Nachbarin hatte einen ``Kampfhund´´ an einer ca. 2 Meter langen Leine an eine Scheune gebunden, der uns Schwanz wedelnd begrüßte. Der Hund war ausgesprochen lieb und sehr zutraulich. Die Dame hatte dem Verein vor einiger zeit erlaubt eine Hütte für den Hund aufzustellen und auch die regelmäßig gebrachten Hundefutterspenden nahm sie gern entgegen.

Anschließend fuhren wir weiter und stießen auf das schon vorgefahrene Team vom Tiere suchen Freunde e.V., welches mit dem Bau einer Zwingers für zwei Hunde auf dem privaten Grundstück einer Familie begonnen hatten. Wir luden das mitgebrachte Baumaterial ab und verteilten die Sach- und Futterspenden auf den Hof und die mitgefahrenen Autos, um diese weiter zu verteilen.

Eine kleine Gruppe von drei engagierten Frauen machte sich anschließend auf den Weg einige private Höfe mit Tieren ( teilweise Kettenhunden) zu besuchen, die der Verein regelmäßig mit Futterspenden unterstützt, damit die Tiere wenigstens gelegentlich eine richtige Mahlzeit bekommen. Aber auch die Menschen kommen bei den Einsätzen des Vereins nicht zu kurz. Und so hatte das Team vorab auch Kleiderspenden und andere Überraschungen für die Familien eingesammelt und nun mit nach Polen gebracht.

Unsere kleine Gruppe fuhr mit Astrid, Andrea und Nora (vom Tiere suchen Freunde e.V.) weiter Richtung Gorzow. Auf dem Weg besuchten wir eine Dame, denen der Verein vor einiger Zeit ein kleines Häuschen für ihre vielen Streunerkatzen auf den Hinterhof gebracht hatte. Sie bekam Futterspenden und auch ein wenig was für sich. Dann ging es weiter nach Gorzow.
Im Tierheim angekommen packten alle mit an um die restlichen Spenden auszuladen. Wir hatten einiges an Futter, Decken aber auch Sachen für eine Katzenfrau geladen, die dort in der Region Streuner versorgt.
Anschließend begannen wir gleich damit die erste Schubkarre voll mit Hundefutter (ein Mix aus Trockenfutter, Feuchtfutter und Hühnerbrühe) vorzubereiten und die Futterrunde zu starten. Die Hunde waren unglaublich aufgeregt und freuten sich unheimlich über die großen Portionen, die wir ihnen in die Zwinger stellten. Das ganze Team packte mit an und so gingen wir zügig von Zwinger zu Zwinger. Ab uns an stießen wir auf Hunde die verletzt oder krank wirkten. Wir sahen sie uns an und versuchten sie so gut es ging zu versorgen. Allen Voran natürlich Andrea und Astrid von Tiere suchen Freunde e.V., da sie sich dort am besten auskannten und die meisten der Hunde kannten. Wir Mädels versuchten Ihnen derweilen so viel Arbeit wie möglich abzunehmen, füllten immer wieder das Futter auf und schoben es in der Schubkarre hinter ihnen her. Nach einigen Minuten kam ein lieber Mitarbeiter des Tierheims zu uns, den die Frauen für diesen Tag bestellt hatten. Er war sehr freundlich und man merkte schnell, dass er sehr gut zu den Hunden war und sie sich sehr über ihn freuten. Er packte mit an und schon ging alles doppelt so schnell.

Plötzlich erhielten Astrid uns Andrea einen Anruf von dem anderen kleinen Frauenteam was dabei war die Höfe mit Futter zu versorgen. Die drei Frauen hatten einen angefahrenen Hund gefunden und ihn eingesammelt. Prompt machten sie Astrid und Andrea auf den Weg den Hund in die Klink zu bringen. Wir anderen blieben mit dem netten Arbeiter im Tierheim und beendeten mit ihm die Futterrunde. Anschließend schnappten wir uns einen Hund nach dem nächsten um sie eine weile spazieren zu führen.
Von Andrea und Astrid hatten wir zuvor erfahren, dass viele diese Hunde nie aus ihren Zwingern kommen würden, da keiner mit ihnen laufen würde. Ganz besonders die großen, alten und ``bösen´´ Hunde wollte niemand ausführen. So ließen wir uns vom Mitarbeiter genau diese ``unbeliebten´´ Hunde anleinen und liefen mit ihnen draußen umher. Man sah wie sie aufblühten und wie sehr sie sich über die Bewegung und die Aufmerksamkeit freuten. Manche Hunde waren nicht mehr zu halten und rannten einfach drauf los.
Nach einiger Zeit kamen die 5 Frauen dann zu uns ins Tierheim und berichteten uns, dass der angefahrene Hund es leider nicht geschafft hatte. Den Frauen war anzusehen wie mitgenommen sie waren.

Wir beendeten unsere Spaziergänge, während ein paar der Frauen noch Leckerlies an die Hunde verteilten. Anschließend suchte sich Myriam vom Tierheim Zossen zwei kleine Hunde aus, die sie mit ins Tierheim nehmen wollte um sie dort zu vermitteln. Auch das Team vom Tiere suchen Freunde e.V. griff sich einen Labrador aus einem der Zwinger und setze ihn ins Auto. Also fuhren wir 10 Frauen und 3 Hunde zurück zum ersten Hof, wo das restliche Team den ganzen Tag damit beschäftigt war einen tollen neuen Zwinger für zwei Huskys zu bauen. Während die Männer ihre Sachen einsammelten, wurden Lisa und ich von Astrid gebeten, zwei Hunde von einem Nachbargrundstück zu holen, die die Dame dort nicht mehr behalten wollte. Sie hatte kürzlich einen Schäferhund angeschafft und wollte ihre Mischlinge nun los werden.
Auf dem Hof angekommen freuten sich die zwei Hunde noch über uns, doch schon als wir ihnen die Leinen anlegten, fing der größere der beiden Hunde an hysterisch zu werden. Er schien in seinem Leben noch nie eine Leine gesehen zu haben und so drehte er sich immer wiederum sich selbst, bis ich mich irgendwann zu ihm auf den Boden setzte, meinen Schal über seinen Kopf legte und ihn beruhigte. Nach einer Weile konnten wir die beiden Hunde dann in eines der Autos einladen um sie nach Deutschland mitzunehmen, wo ganz bestimmt ein besseres Leben auf sie wartet.

Auf dem Rückweg dann zeigten Astrid und Andrea uns dann noch weitere Höfe auf denen sie aktiv helfen. Darunter das Haus einer Familie, die in völliger Armut lebte und gerade Nachwuchs erwartete. Neben Baumaterial (um dort auch einen Zwinger zu bauen) ließen wir Kleiderspenden und Futter bei der Familie, die sich sehr freute. Anschließend besuchten wir zwei Höfe die selbst mir wirklich zu schaffen machten. Auf dem ersten Hof sahen wir unzählige Kettenhunde, die teilweise knöchelhoch im Schlamm standen. Einige von ihnen waren sehr aggressiv, andere konnten wir anfassen. Eine ältere Dame die auf dem Hof lebte, nahm Futter von uns entgegen. Es war sehr bitter die vielen Hunde dort zu sehen, die leeren Näpfe und kurzen Ketten. Doch ich wollte mir nicht vorstellen wie schlimm es dort gewesen sein musste, bevor das Team von Tiere suchen Freunde e.V. dort angefangen hatte Hütten zu bauen und Futter abzugeben.

Gegenüber lag dann ein Hof, der mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird. Alles war (wie so oft) sehr schmutzig und viel Unrat lag in der Gegen herum. Gleich am Tor hing ein mittelgroßer Hund an der Kette. Andrea warnte dass dieser manchmal etwas schnappen würde, aber nach ein paar Minuten ließ er sich von mir anfassen. In seinem Napf ein Mix aus aufgeweichten Toastbrot, Haferschleim und Essensresten. Wir stellen ihm eine Schale mit Hundefutter und frisches Wasser und versorgten auch eine kleine Katze die dort alleine umherlief. Während die anderen Frauen weiter hinten auf dem Hof nach den anderen Kettenhunden sahen, machte mich einer der Helfer auf einen Verschlag aufmerksam, in dem einige ausgewachsene Kühe standen. In dem winzigen Steinhaus war es stockdunkel. Nur die kleine Öffnung durch die wir hineinsehen konnten war im Mauerwerk vorhanden. Auf dem Boden lag eine Kuh, die sich anscheinend gerade im Geburtsvorgang befand oder kurz davor stand. Als ich nach rechts in die Ecke sah, stand dort ein kleines Kälbchen, dass mit einer ein Meter langen Kette an die Mauer gebunden war, mit dem Gesicht zur Wand. Dieser Anblick erschüttert mich schon sehr, doch die Frauen schnappten uns und verließen den Hof. Ich war sehr entsetzt von dem Anblick doch musste den Frauen recht geben als sie sagten, man müsse alles langsam erarbeiten. Sie hatten so lange kämpfen müssen, dass sie überhaupt Zutritt auf den Hof bekommen konnten und man könne dort nun nicht zu viel auf einmal verlangen, da man ihnen sonst womöglich den Zutritt ganz schnell wieder verweigern würde. Also stiegen wir ein und machten uns langsam auf den Heimweg.

In einem Dorf das wir durchquerten, sahen wir dann eine Katze regungslos am Straßenrand liegen. Unsere drei Autos hielten instinktiv einige Meter weiter hinten an und Myriam, Lisa und Nora gingen zurück zur Katze um zu sehen ob sie noch leben würde. Schnell stellten wir fest, dass sie anscheinend gerade gestorben war, da ihr Körper noch warm und sie noch nicht steif geworden war. Myriam war so lieb sie dann aufzuheben und in ein kleines Waldstück ein paar Meter weiter weg zu bringen. Unmittelbar neben der Katze standen zwei junge polnische Mädchen (ca. 11 Jahre alt) die daraufhin nur ,,Pfui“ von sich gaben. Wir mussten uns wirklich mächtig zusammen reißen den Mädchen keine Standpauke zu halten, da es nicht nur respektlos war, sondern da wir davon ausgehen mussten, dass sie da schon standen als die Katze sich zum sterben dorthin geschleppt hatte. Und wie so oft, hatten diese Mädchen nichts unternommen und sich noch ganz entspannt neben die sterbende Katze gestellt um sich zu unterhalten. Das war tatsächlich leider einer der Momente, wo wir sehr mit uns kämpfen müssen nicht einfach laut und ausfallend zu werden.

Doch sie hätten uns ohnehin nicht verstanden und vermutlich wäre es ihnen auch egal gewesen. Nachdem die Katze dann einen friedlichen Platz gefunden hatte, ging es zurück ins Auto und dann Richtung Berlin, wo wir gegen 22:30 Uhr unsere Reise wieder beendeten.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich beim Team vom Tiere suchen Freunde e.V. bedanken, dass wir diese Fahrt begleiten durften und Astrid und Andrea sich die Mühe gemacht haben uns die einzelnen Höfe zu zeigen. Ihr seid ein ganz tolles Team und wir würden uns sehr freuen, euch auch weiterhin bei euren Fahrten begleiten zu dürfen. Ein weiterer Dank geht an Myriam und Jana (vom Tierheim Zossen), dass sie so wunderbare Mitfahrer waren, vor Ort so toll angepackt haben und sich so rührend um unsere beiden Mitfahrer auf vier Pfoten gekümmert haben.  Zudem möchte ich mich ganz besonders bei meiner lieben Lisa bedanken, dass sie mich auf die Fahrt begleitet hat und so wundervoll mitgeholfen hat. Man merkt, dass Lisa ein riesen Herz für Tiere hat und so ist sie auch mit jedem einzelnen Hund vor Ort ganz besonders liebevoll umgegangen, was sie unheimlich genossen haben. Vielen Dank dass du mich und uns so toll unterstützt!

Also, wie ihr den letzten Zeilen entnehmen könnt, werden wir auch künftig die Fahrten nach Gorzow mit begleiten und dort bei der Fütterung helfen und die Hunde ausführen. Der Verein Tiere suchen Freunde e.V. macht einen ganz tollen Job vor Ort und wir sind sehr dankbar, dass es das Team gibt und wir nun unseren kleinen Beitrag leisten können.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit
eure Anne

P.s. Hier findet ihr den Bericht vom Tiere suchen Freunde e.V.: http://www.tieresuchenfreunde.com/html/polen23.html