Zwingerbau und Kastrationen

 

Nach einem Monat rollte unser Trapo endlich wieder gen Gorzow. Ein bisschen aufgeregt sind wir immer. Gefühle der Vorfreude auf die bekannten Fellnäschen und die Angst davor, dass es geliebten Notnasen eventuell noch schlimmer gehen könnte oder wir ein großer Notfall auf uns wartet.

Wir fuhren, nach herzlichem Wiedersehen frohen Mutes in Richtung polnische Grenze. Kurz nach der Grenze hielten wir auf unserer altbewehrten Tankstelle um die Autos umzuladen und das meine Lieben, kann zu einem richtigen Projekt werden. Viele Hunde- und Katzenfuttersäcke sowie Kratzbaum, Leckerchen und Kleiderspenden wechselten den Fahrer und unser knacke voll beladener Trapo leerte sich flott. Ich bilde mir ein, ich hätte sogar einen kleinen Seufzer vernommen. Der arme kleine Porsche ;)

Erster Halt war der Autohändlerhof auf dem 5 Hunde ihr Dasein fristen. Den drei Fellnasen im Zwinger konnten unsere fleißigen Männer im Handumdrehen sogar den Zwinger vergrößern, während Lieven mit ihnen eine große Runde lief. Was muss das für ein Highlight sein, wenn man Tag für Tag nur durch rostige Gitterstäbe, die kleine traurige Welt an sich vorüber ziehen sieht.

Und trotzdem sind sie allesamt so zuckersüß und freundlich. Der Mama geht es leider immer schlechter. Ihre Hüfte und Gelenke machen einfach nicht mehr mit und sie kippt beim laufen immer wieder hinten weg. Bei unserem nächsten Besuch hoffen wir, dass wir sie mitnehmen dürfen.

 

Nach vielen Schmuseeinheiten, Fellpflege, Reinigung des Zwingers sowie prallgefüllten Näpfchen fuhren wir vom Hof. Weiter ging es zu den beiden Kuhhöfen. Hier sollte heute Großes entstehen. Die beiden Hunde die sich nur aus der Ferne betrachten konnten führten wir zum zweiten mal zusammen, den sie kamen endlich von der kette. Das Bauteam unseres Partnervereins Tiere suchen Freunde e.V. bauten einen 40qm großen Zwinger für die beiden Mäuse. Die Hündin wurde am selben Tag noch kastriert und für 3 Tage in einer Pension zur Erholung untergebracht. Mittlerweile leben die beiden glücklicher und mit wesentlich mehr Lebensqualität in ihrem Zwinger. Dass das nicht der Idealzustand und absolut nicht artgerecht ist wissen ist uns allen klar, aber wir tasten uns langsam heran und versuchen nach und nach die Haltungsbedingungen zu verbessern.

 

Wir fütterten und kuschelten noch ein bisschen mit den Hunden des Hofes gegenüber und fuhren dann schnurstracks in Tierheim Gorzow. Wie immer wurden wir mit lautem Gebell begrüßt. Eins fiel uns sofort auf, es war unheimlich leer hier geworden.

Wir fingen an den Trapo auszuladen und die Schubkarren für die Fütterung vorzubereiten, da kam schon unser Jejek angeflitzt um fleißig alle Hundebäuchlein zu füllen. Erste Aufgabe erfüllt. Nun schnappten wir uns die Leinen und zuppelten die Fellnasen aus ihren Zwingern und auf ging es auf viele schöne Gassirunden. Pardon, auf viele schöne Gassirunden inklusive höllischem Sonnenbrand . Ihr solltet die Gesichter sehen, die Äuglein, wie sie leuchten.

Meine erste Gassirunde widmete ich unserem Notfellchen Eliot. Leider dreht er sich immer noch im Kreis und beißt sich verzweifelt in den eigenen Schwanz. Draußen ist er so ein prima Kerlchen und erkundet freudig seine Umwelt. Sogar ein gemeinsamer Spaziergang mit einer Huskyhündin hat toll geklappt. Die war aber auch was hübsch. Mit hübschen Hundemädchen klappt es also ganz gut. Wir liefen also Runde für Runde und trafen wieder die unterschiedlichsten kleinen Persönlichkeiten. Nur wunderbare, liebe und freundliche Hunde warten dort auf ein wunderschönes Zuhause.

Am späten Nachmittag kamen Andrea und Astrid ins Tierheim, nachdem sie zwei Hofkatzen und die Zwingerhündin kastriert haben lassen. Eigentlich sollte noch eine Dritte kastriert werden, doch diese hatte leider FIP und musste erlöst werden.

Zwei Hundeseelchen konnten wir mit nach Deutschland nehmen. Sie wurden in Polen für ihre Ausreise vorbereitet und ihre Pflegestellen warteten schon auf sie.

 

Es war schon spät und wir machten uns müde auf den Heimweg. Wir werden wiederkommen und auch dann sitzen besonders die grauen Schnäuzchen und großen Mischlinge noch immer in ihren Zwingern, fast so, als würde man sie vergessen wollen. Doch wir geben nicht auf und werden versuchen ein schönes Zuhause, besonders für die Langzeitinsassen zu finden.

Nachdenklich gestimmt kamen wir heil Zuhause an und freuen uns doch auf unsere Rückkehr.