Thessaloniki/Griechenland 03.02.-06.02.2015

Vollgepackt mit Transportboxen, Sachspenden und Fragen im Kopf erreichen wir am Nachmittag Thessaloniki und werden von Peter abgeholt. Auf dem Weg zum Hotel fahren wir bei seiner Tierärztin vorbei und verabreden uns mit ihr für den nächsten Tag auf Peters Grundstück.

Wir sind noch keine zwei Stunden hier- der erste Notruf: Peter wird angerufen, auf einer Hauptstraße humpelt ein dünner großer Hund herum. Wir fahren los, fragen in Geschäften, suchen in der Dunkelheit und finden ihn schließlich. Er sieht ganz gut aus, lässt uns aber nicht an sich heran und eine Fangaktion inmitten vorbeirasender Autos ohne Tageslicht ist zu gefährlich. Wir lassen ihm Futter da, mehr können wir im Moment nicht tun.

In den Pet Shops sehen wir in Käfige eingesperrte Tiere, die zum Verkauf angeboten werden, auf der Straße viele dürre Streuner, die auf verlassenen Fabrikgeländen ums Überleben kämpfen - es ist wirklich deprimierend hier durch die Gegend zu fahren ...

Abends treffen wir uns mit Xara und Patrick, zwei griechischen Tierschützern, um über Unterstützung für Peter auf seinem Grundstück zu beraten und lassen uns die aktuell schwierige Situation hier erklären.

04.02.:

Voller Tatendrang treffen wir uns morgens mit Dr. Maria und natürlich Peter auf dessen Grundstück- in fast fünf Stunden chippen, impfen und sortieren wir fast sein ganzes Rudel von derzeit ca 55 Hunden,wir setzen Hunde in neue Gruppen um, machen kleinere Reparaturen an den Zäunen, streicheln Hunde, lassen Peter berichten und verschaffen uns einen Überblick.

Mehrere kenne ich noch von meinem letzten Besuch hier im Dezember 2013 Track, Tao, Schoko, Wuschel, Nobody, Yaya, Dias, Bella, Ida...sie alle warten schon so lange auf ihre Chance...

Nach getaner Arbeit ein gemeinsames Mittagessen mit Peter und Patrick, wir schildern ihm unsere Eindrücke, uns wird einmal mehr deutlich- alleine ist das hier nur schwer zu schaffen- wir besprechen was er vor Ort und wir von Deutschland aus ändern können, diskutieren, verwerfen alles wieder, diskutieren und überlegen neu..

Nach einer kurzen Pause treffen wir uns abends zum Essen - verhungern werden wir hier nicht ;-) mit Eleonore, einer Holländerin, die seit vielen Jahren hier lebt. Eleonore versorgt in ihrem Haus und der Umgebung viele Hunde und Katzen. Ich freu mich, Eleonore und ihre tolle Tochter endlich persönlich kennenzulernen, sie erzählen mir von ihrem Alltag hier , dem täglichen Kampf um zumindest einige Tiere- während wir zusammen sitzen kommt der nächste Notfall- wirklichen "Feierabend" gibt es hier nicht. Wir besprechen wie das THNW sie weiter unterstützen könnte - Ihr werdet bald mehr über diese lebenslustige und so engagierte Frau erfahren, die mich mit ihrer Energie und ihrem Humor tief beeindruckt hat!

05.02.:

Nach einem kurzen Besuch bei Gizmo, den Anne und Kosta bei ihrem letzten Aufenthalt hier aus seiner schlimmen Haltung gerettet haben und der nun in einer Pension sehnsüchtig auf seine Menschen wartet treffen wir uns mit unserer Freundin Foteini und fahren mit ihr nach Kavala. Zusammen fahren wir einen Teil der Strecke ab die Foteini zweimal täglich zurücklegt- an sieben Tagen in der Woche! Wir besuchen Futterstellen und wie schon bei meinem letzten Besuch hier beobachte ich fasziniert wie die Hunde Foteinis Auto schon von weitem erkennen- wie aus dem nichts kommen auf einmal aus allen Ecken hungrige Vierbeiner angerannt, Foteini hat nicht nur für jeden Futter und ein paar Leckerbissen, sondern auch aufmunternde und liebevolle Worte, die meisten freuen sich sichtlich über jede Streicheleinheit- es ist ihr einziger Kontakt zu Menschen und ihren traurigen Blick als wir ins Auto steigen und weiterfahren vergesse ich nie wieder!

Der nächste Stop ist Foteinis Gehege- mit Erlaubnis der Stadt versorgt sie hier ca 35 Hunde, die dank einer Gemeinschaftsaktion vom THNW mit unseren Freunden von five4strays große Ausläufe und sichere Gehege für die Nacht haben. Wir werden von den meisten Hunden stürmisch begrüßt, sie wollen spielen, toben, gestreichelt werden- sie wollen einfach Hund sein und ihr Leben mit uns Menschen teilen! Ein paar, wie die große schüchterne Lia , bleiben zurück, blicken uns aus der Ferne sehnsüchtig an- für sie ist der Trubel zuviel, sie wünschen sich ein ruhiges Zuhause, ein Sofa, vielleicht einen kleinen Garten....

Den letzten Abend verbringen wir mit Foteinis Familie im Hause Mandalianou- das heißt die Familie, wir und ein großes Rudel Hunde, die sie krank, alleine oder verletzt irgendwo aufgelesen hat - mehrere von ihnen warten auf ihren Flug ins neue Zuhause....

06.02.:

Nach einer kurzen Nacht machen wir uns mit Foteini und einer von all dem wenig begeisterten Katze auf den Weg zum Flughafen. Die Ausfuhr von Tieren aus Griechenland ist seit der Verhaftung von Flugpaten an einem griechischen Flughafen mit einer großen Portion Unsicherheit verbunden- und tatsächlich stellt sich die Mitnahme unserer insgesamt drei Katzen als äußerst schwierig heraus. Letztlich sitzen wir aber zehn Minuten vor Abflug etwas gestresst aber sehr erleichtert im Flieger- puh, geschafft!!

Wir fliegen mit vielen Gedanken und Ideen nach Hause- Peter braucht dringend dauerhafte Unterstützung bei der Versorgung seiner Hunde, aber geeignete Menschen hierfür findet man nicht mal eben. Helfer aus Deutschland die Peter immer wieder besuchen kommen sind für einige Tage eine Hilfe, jedoch muss er jedem "Neuen" auch erstmal alles erklären und die Hunde müssen sich an jeden Fremden erst gewöhnen- ein langfristiger Helfer wäre ideal. Auch bzgl. der Hilfe für Foteini haben wir neue Ideen - sie und ihre Familie geben buchstäblich alles, das tägliche Pensum ist kaum mehr zu schaffen und sie benötigt dringend noch mehr Futter, Decken- aber auch Kastrationen und Adoptanten für die Hunde- zusammen mit five4strays und hoffentlich vielen Tierfreunden möchten wir Foteini und ihren Seelen von der Müllkippe das Leben etwas erleichtern.

Es gibt viel zu tun und wir kommen wieder- versprochen- ich freue mich schon jetzt auf ein Wiedersehen mit offenherzigen und engagierten Menschen und Tieren, die trotz ihres harten und entbehrungsreichen Lebens ihre Offenheit und Freundlichkeit uns Menschen gegenüber nicht verloren haben!